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Material Afterlives
8-11 OCTOBER 2026
Dominique Lanz
Jamal Nxedlana

RSVP: MATERIAL AFTERLIVES
Date:
8-11 OCTOBER 2026
Press release:
EN / DE
OPENING:
THURSDAY, 8 OCTOBER, 5 PM - 9 PM
EXHIBITION:
FR - SUN 11AM - 7PM,
SAT/SUN: BRUNCH 11AM - 1PM

Material Afterlives

Während Kleidungsstücke zwischen Menschen, Haushalten, Städten und Kontinenten den Besitzer wechseln, sammeln sie Gebrauchsspuren an und gewinnen dabei ständig neue Bedeutungen und neue Wertformen. Diese Ausstellung vereint die Arbeiten von Dominique Lanz und Jamal Nxedlana und untersucht das Weiterleben gebrauchter Kleidung, wobei Kleidungsstücke nicht als statische Objekte oder weggeworfener Abfall betrachtet werden, sondern als Träger kultureller und materieller Geschichten.

Obwohl ihre künstlerischen Praktiken aus verschiedenen Kontexten hervorgehen und unterschiedliche Methoden anwenden, zeigen beide Künstlerinnen auf, wie Textilien im Laufe der Zeit Geschichten und Bedeutungen ansammeln können.

Dominique Lanz’ interdisziplinäre Praxis, die in Textilien verwurzelt ist und durch Kooperationen mit Fotografen und Performern erweitert wird, verfolgt die Bewegung von Kleidungsstücken durch globale Produktions- und Entsorgungssysteme. Die Installation after the flood entstand während einer Künstlerresidenz am Kokrobitey Institute in Ghana aus Textilien, die sie auf dem Kantamanto-Markt in Accra – dem weltweit größten Markt für Secondhand-Kleidung – erworben hatte. Durch Verfahren, die sie während ihres Aufenthalts dort erlernte – wie die Batik-Technik und das Färben mit Naturfarbstoffen aus Kolanuss und Kurkuma –, sowie durch andere Techniken aus ihrem Repertoire, wie das Schichten, Schneiden und Nähen, erhalten die Stoffe eine neue materielle Identität. Die Arbeit setzt sich mit dem Abfallkolonialismus und der ökologischen Verflechtung von vom Menschen geschaffener Materie mit der Natur auseinander. Ausgehend von der Allomimese – einer Form der Tarnung, bei der ein Organismus die Form, Farbe und Haltung seiner Umgebung annimmt – entwirft sie alternative ökologische Beziehungen und (un)mögliche Zukunftsszenarien. Zudem verdeutlicht sie die Macht, die Stoff besitzt – er schützt nicht nur den Träger, sondern kann auch enorm zerstörerische Wirkungen haben. Die Fotografien stammen von dem in Accra ansässigen Fotografen Michael Aboya.

Statt auf die globale Ebene zu blicken, richtet Jamal Nxedlana sein Augenmerk auf die materiellen Spuren, die Kleidungsstücke im Alltag ansammeln. Sein laufendes Projekt Stains as Data untersucht Flecken als Speicherorte von Erinnerung, Arbeit, Intimität und Zeit. Durch die Kombination von Fotografie mit wissenschaftlichen Bildgebungstechnologien erweitert die Arbeit die Fähigkeit der Fotografie, die in Kleidungsstücken eingebetteten materiellen Geschichten sichtbar zu machen, und enthüllt Flecken nicht als Unvollkommenheiten, sondern als materielle Zeugnisse, die konventionelle Vorstellungen von Wert, Schönheit und Abfall in Frage stellen. Die in der Ausstellung präsentierten spektralen Bilder entstanden im Rahmen von Nxedlana’s laufender Forschung an der EMPA.

Gemeinsam zeigen die Arbeiten die vielfältigen Wege auf, auf denen sogenannte Post-Consumer-Textilien über ihren ursprünglichen Verwendungszweck hinaus weiterbestehen. Die eine Arbeit nimmt Abstand und betrachtet sie auf der Ebene globaler Zirkulationssysteme; die andere widmet sich den persönlichen Spuren, die auf ihren Oberflächen zurückbleiben. Sie erscheinen nicht als statische Objekte, sondern als Materialien, die ihren Lebenszyklus fortsetzen und die Möglichkeit bieten, neue Formen des Wissens zu generieren. Die Transformation gebrauchter Kleidung ist niemals nur materieller Natur – auch sozialer, ökologischer, fotografischer und freudvoller. Es bleibt die Frage: Wie kann etwas, das einst Zeuge unseres eigenen Lebens war – wie Nxedlana es in seiner Arbeit offenbart –, zu etwas werden, das wir als wertlosen Abfall ablehnen und einfach anderen überlassen, mit dem sie sich herumschlagen müssen?

Dominique Lanz’ Residenz wurde durch die grosszügige Unterstützung des Schweizer Kulturfonds Pro Helvetia Johannesburg ermöglicht.

Jamal Nxedlanas Projekt Stains as Data: Memory and Poetics in Used Textiles wird durch das Pro Helvetia Focus Photo-Stipendium gefördert.